Sinti und Roma gründen neue Bundesvereinigung

05. August 2021


Am 2. August 2021 haben sich im Rahmen einer Sitzung in Berlin im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages Vereine und Organisationen der Sinti und Roma aus ganz Deutschland als Bundesvereinigung der Sinti und Roma e.V. (BVSR) zusammengeschlossen. Der Verein ist ein neuer deutschlandweiter Zusammenschluss von Selbstorganisationen und Initiativen der nationalen Minderheit der Sinti und Roma, sowie von zugezogenen Menschen mit Romani-Hintergrund. Die Vereinigung ist neben dem Bundes Roma Verband e.V. in Göttingen und dem Zentralrat deutscher Sinti und Roma in Heidelberg eine weitere Dachorganisation mit deutschlandweitem Mitgliedernetzwerk mit Sitz in Berlin. Die heterogene und diverse Minderheit gewinnt eine weitere Stimme für die Inklusion und gegen Ausgrenzung unserer Menschen.


Die BVSR verfolgt als zentrales Ziel die Gleichberechtigung, Teilhabe und Inklusion von Sinti und Roma in Deutschland und wird entschieden gegen rassistische Stereotype gegenüber der ethnischen Minderheit kämpfen. Dafür schließen sich Vereine und Initiativen aus ganz Deutschland gleichberechtigt und auf Augenhöhe zusammen, um ihre Kompetenzen in den Bereichen Empowerment, Wirtschaft, Recht, Medien, Familie, Bildung, Geschichte, Forschung und Gedenken zu bündeln. Als Co-Vorsitzende wurden Esther Reinhardt-Bendel (RomnoKher gGmbH/Initiative Sinti-Roma-Pride) und Kelly Laubinger (Cinti Union Schleswig-Holstein e. V.). gewählt. Als Generalsekretär wurde Romeo Franz (Mitglied des Europäischen Parlaments und ehem. Geschäftsführer der Hildegard Lagrenne Stiftung) beauftragt.


Romeo Franz, designierter Generalsekretär der Bundesvereinigung der Sinti und Roma e.V. erklärt:

"Die Vielzahl an Fällen von rassistischer Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung gegenüber Angehörigen unserer Minderheit in den letzen Jahren hat uns auf dramatische Art vor Augen geführt, wie tief Antiziganismus in der deutschen Gesellschaft immer noch verwurzelt ist und wie weit wir von gleichberechtigter Teilhabe entfernt sind.
Im Auftrag der Bundesregierung hat die Unabhängige Kommission Antiziganismus im Juni 2021 einen umfangreichen Bericht zur Situation von Sinti und Roma in der Bundesrepublik vorgelegt und die umgehende und effektive Bekämpfung der tief in der deutschen Gesellschaft verwurzelten rassistischen Stereotype gegenüber der Minderheit angemahnt. Ebenso steht die Bundesrepublik in der Pflicht im Rahmen der EU-Rahmenstrategie für Roma-Inklusion 2021-2030 eine umfangreiche nationale Strategie für die Inklusion von Sinti und Roma zu entwickeln und umzusetzen, um die europäischen Ziele im Kampf gegen Antiziganismus und für die gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma zu erreichen.
Die deutsche Politik hat jetzt die Gelegenheit ein neues Kapitel in der Politik gegenüber unseren Menschen aufzuschlagen. Die BVSR will diesen Prozess kritisch begleiten und als Partner für Politik und Verwaltung konstruktiv mitwirken. Denn nur in enger Zusammenarbeit mit unseren Minderheitenorganisationen kann eine effektive Politik für Inklusion und Gleichberechtigung und gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung gelingen. Hierfür versammeln wir eine große Zahl von lokalen und regionalen Vereinen und Initiativen die vielseitige Kompetenzen und Erfahrungen in die Arbeit unserer neuen Budesvereinigung einbringen."