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Unser Volk überdauert!

  • vor 11 Minuten
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Gemälde von Ceija Stojka (1933–2013)



„Unser Volk überdauert!“, lautet die Botschaft eines farbintensiven Gemäldes von Ceija Stojka (1933–2013), einer renommierten Künstlerin aus der Volksgruppe der Lovara-Romni. Kurz vor ihrem Tod schenkte sie das Werk dem BVSR-Vorsitzenden Alexander Diepold (im Bild), Leiter des soziokulturellen Zentrums Madhouse für Sinti und Roma in München. Das Exponat zeigt die Idylle einer opulenten Naturlandschaft, die jedoch durch schwarze Vögel und dunkel grollende Wolken bedroht scheint. Deren Düsternis setzt sich in der Bildmitte in den knorrigen Konturen eines verkohlten Baumes fort. In seinem morschen Holz hat sich jedoch längst wieder eine Pflanzenblüte verwurzelt, die sich stetig weiter entfaltet.


Das Bild steht nicht nur symbolträchtig für den Kreislauf von „Stirb und Werde“ – vielmehr gab es diesen Baum tatsächlich, und zwar im KZ Bergen-Belsen. Mit Stücken seiner Rinde versuchten die Häftlinge damals, ihren Hunger zu mildern; ab und an ergatterten sie sogar ein frisches Blättchen. Als die Wachmannschaften dahinterkamen, setzten sie den Baum in Brand, um den Hungernden auch noch diese minimale Nahrungsquelle zu nehmen. In den 1990er-Jahren besuchte Ceija Stojka, die insgesamt drei Konzentrationslager überlebt hatte, Bergen-Belsen erneut. Dabei fand sie den Baum wieder: beschädigt zwar, aber – im Gegensatz zum NS-Regime – weiterhin fest in den ewigen Kreislauf des Lebens eingebunden. Das Gemälde ist ein gewichtiges Vermächtnis, das bei Alexander Diepold angesichts seines lebenslangen Engagements für „seine Menschen“ in den besten Händen und im Konferenzraum von Madhouse kongenial platziert ist.


Das Werk birgt eine kraftvolle Botschaft zum Empowerment der Communities der Sinti, Roma, Jenischen und Reisenden sowie eine Mahnung an uns als Mehrheitsgesellschaft im Sinne eines dringlichen „Nie wieder“! Diese Mahnung und Erinnerung wird bereits in den nächsten Wochen und Monaten besonders präsent sein, da eine ganze Reihe von Jahrestagen, mit entsprechendem Aufkommen an BesucherInnen, in Zusammenhang mit der Bürgerrechtsarbeit für Sinti und Roma ansteht.

Titelfoto Alexander Diepold 

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